Seckauer Gnadenbild

„Sei gegrüßt, du Hoffnung mein, Jesus und Maria rein“

Dieser jahrhunderte alte Gruß wurde von einem der bedeutendsten Pröpste Seckaus, Johannes Dürnberger (1480-1510) zum Wahlspruch gewählt und ist bis heute in der Klostergemeinschaft und Pfarre lebendig. Er ist auch über unserem romanischen Gnadenbild zu lesen, welches Br. Bernward Schmid 1950 neu eingefasst hat. Das Bild stammt aus der Gründungszeit Seckaus und wurde vom Stifter unseres Klosters gemäß folgender Legende vor Baubeginn gefunden:

Nachdem Adalram all seinen Besitz dem Bistum Salzburg geschenkt hatte und die Besiedlung des Klosters bei St. Marein stetig voran schritt, ging er 1142 in den ausgedehnten Wäldern der Region auf die Jagd, um sich die Zeit zu vertreiben. Plötzlich sah er einen prächtigen Hirsch, dem er folgte. Zu weit in den Wald geraten setzte er sich erschöpft nieder und schlief ein. Plötzlich hörte er eine Stimme und öffnete die Augen. Vor ihm stand in helles Lichtgetaucht Maria und rief ihm zu: „Hic seca“ – „Fälle hier“! Sofort begann Adalram, dieser Aufforderung zu folgen und schnitt in den nächst gelegenenBaum. Kaum hatte er den Baum gefällt, fiel ihm ein steinernes Marienbild entgegen, das Gnadenbild von Seckau. Nun wusste er, dass der von Salzburg gewählte Platz nicht passend für ein Kloster war, Maria hatte ihm den einzigen geeigneten Ort gezeigt. Sofort begannen die Chorherren, diesen „geweihten Ort“ zu roden und der Bau des Klosters Seckau begann.

Die Kunstgeschichte ordnet die Entstehung des Seckauer Gnadenbildes dem 12.Jahrhundert zu, womit es neben unserer romanischen Kreuzigungsgruppe zu den wertvollsten Schätzen unserer Abtei zählt. Eine aus Marmor gearbeitete Darstellung zeigt Maria als thronende Herrscherin mit dem als Machthaber gestalteten Jesuskind auf ihrem Schoß. Wahrscheinlich wurde das Bild in einer venetianischen Kunstschule hergestellt und trägt die griechische Bezeichnung „Nikopoia“, d.h. übersetzt „Siegesbringerin“.

Aufbewahrt wird es in der Gnadenkapelle, die neben dem Altarraum der Basilika wohl das Herzstück unserer Abtei ist. Diese von DI  Adolf Bachler im Jahr 2005 neugestaltete Kapelle erhält ihre zentrale Bedeutung zunächst dadurch, dass sie unsere „Sakramentskapelle“ ist, in der Jesus in der Eucharistie gegenwärtig ist. Durch die Anbringung des Gnadenbildes über dem Tabernakel wird aber auch die Bedeutung Mariens deutlich, die uns zu Jesus hinführen möchte und einlädt:  „Was er euch sagt, das tut.“ (vgl. Joh 2,5)