„Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“ (Joh 12,32)
Diese Worte Jesu aus dem Johannesevangelium werden immer wieder für Besucher zur lebendigen Erfahrung, wenn sie unsere Basilika betreten. Die eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe in der Apsis übt auf viele eine Anziehungskraft aus, die nicht nur von der Erhabenheit dieses Kunstwerkes ausgeht. Es ist der Gekreuzigte selbst, der mit seinen ausgebreiteten Armen zum Näherkommen einlädt, vor allem jene, die „mühselig und beladen“ sind (vgl. Mt 11,28).
Die Arme des Gekreuzigten erscheinen zudem wie Flügel, die den Corpus gleichsam emporheben. Damit wird die Marter des Kreuzestodes bereits eingetaucht in das Licht der Auferstehung, besonders am Morgen, wenn die aufgehende Sonne durch das schmale Alabasterfenster im Hintergrund den Altarraum erhellt. Das Kreuz wird so zum Zentrum unserer Basilika und führt den Betrachter wie von selbst zum Herzstück unseres christlichen Glaubens. Die Darstellung aus dem frühen 13. Jahrhundert zählt zu den wertvollsten romanischen Lettnergruppen im deutschen Kulturraum und zeigt Christus am Kreuz als souveränen König, wobei der Übergang zur Gotik mit ihrem mehr naturalistischen Anspruch bereits erkennbar ist.
Heute stufen viele Besucher unser romanisches Hochkreuz als modernes Kunstwerk ein. Auch wenn dieses tatsächlich über 800 Jahre alt ist, so ist sein Inhalt und seine Aussagekraft für unsere “moderne Zeit“ nach wie vor und vielleicht mehr denn je wohl von größter Aktualität.









